Prototyp Kunst I
Prototypische Strukturaufstellung mit dem Fokus „Wie kann ich als Künstler*in finanziell überleben?“
Konzept & Regie: Jula Baltschun
Aufsteller: Nicolai Albrecht
Bei einer systemischen Aufstellung werden Personen stellvertretend für Mitglieder oder Aspekte eines Systems in einem Raum aufgestellt und treten mithilfe eines*r Aufstellungsleiters*in in Beziehung und Dialog.
Die prototypische Aufstellung mit dem Fokus “Wie kann ich als freie*r Künstler*in finanziell überleben?” behandelt - im Gegensatz z.B. zu Familienaufstellungen - nicht eine individuelle, sondern eine allgemeine Fragestellung, die viele Künstler*innen betrifft. 16 Personen überlegten gemeinsam mit einem professionellen Aufsteller, welche Repräsentanten*innen nötig sind, um die Frage darzustellen. Jede Person wählte eine*n Repräsentanten*in und zog einen beschrifteten Anzug an.
Alle bewegen sich im Raum, finden ihren Platz. Der Aufsteller befragt das System. Die Gute Lösung möchte ganz in die andere Ecke, das Kunstwerk möchte sich teilen und etwas geben. Als unerschöpfliche Quelle ruht die Inspiration am Boden, der Fremdwert schwitzt im Licht. Das Geld stampft beleidigt auf und fühlt sich ignoriert. Alle geben ihrem Impuls nach, bewegen sich.
Als Kunstwerk und Sinn nicht mehr zu nah beieinander stehen, findet das Geld einen Eingang und alle kommen ihm freundlicher vor. Es kann den Künstler jetzt sehen. Repräsentanten*innen Künstler*in, Inspiration, Anerkennung, Souveränität, Selbstwert, Biografische Hürden, Glücksmoment, Kunstwerk, Zweck/Sinn, Fremdwert, Gesellschaftlicher Wert, Wahrnehmende, Galerist*in, Institutionen/Sammler*innen, Geld, Gute Lösung
In der Zwischenzeit schaut bitte der Künstler mal zum Geld. Wie ist das, wenn du zum Geld schaust?
Künstler*in: Also vorhin hab‘ ich da wirklich so gedacht, das brauch‘ ich nicht. Es fühlt sich noch nicht optimal an. Aber es ist jedenfalls so, dass ich sage: Okay, das gibt es, und es wäre vielleicht auch gut, wenn die Verbindung bleibt.
Dann sag‘ mal bitte in Richtung Geld: In der Vergangenheit wollte ich dich nicht sehen.
Künstler*in: In der Vergangenheit wollte ich dich nicht sehen.
Und habe dich auch ein Stück weit abgewertet.
Künstler*in: Und habe dich auch ein Stück weit abgewertet.
Und das tut mir leid.
Künstler*in: Und das tut mir leid.
Und das möchte ich jetzt ändern.
Künstler*in: Und das möchte ich jetzt ändern.
Wenn du das sagst: Fühlt sich das stimmig an oder nicht so stimmig?
Künstler*in: Nicht so stimmig.
Könntest du mal zum Geld sagen: Du darfst in Zukunft etwas mehr dazugehören?
Künstler*in: Du darfst in Zukunft etwas mehr dazugehören.
Fühlt sich das stimmig an?
Künstler*in: Ja.
Wie kommt das bei dir an, Geld?
Geld: Das freut mich total, weil ich das Gefühl hatte, dass er oder das ganze System mich nicht haben wollen und mich abwerten. Abwerten und ja, was Uncooles an mir finden.
Also über Geld spricht man nicht, das wird als uncool empfunden, und so erlebt es das Geld. Und jetzt, wenn du da hinschaust, ist es besser?
Geld: Ja, ich freu‘ mich. Ich würde gerne näherkommen.
Teste mal, wie viel näher willst du kommen?
Geld: Ich habe halt das Gefühl, ich bräuchte etwas Hilfe.
Von wem bräuchtest du Hilfe?
Geld: Hm, kann ich gerade nicht sagen.
Hat jemand einen Impuls zu helfen?
Kunstwerk: Ja, ich, automatisch. Weil Kunstwerke halt helfen wollen. Ich würde mich jetzt gerne zu ihr auf den Boden setzen, aber das ist ja total irre, oder?