Wir planen und blicken zurück, verorten uns in sozialen Kontexten. Die Arbeit zeigt Gehirnscans von Menschen mit und ohne posttraumatische Belastungsstörung, die in diesem Alltagsdenken versinken. Bei Menschen ohne traumatische Belastungsstörung sind in diesem Zustand verschiedene Gehirnareale durchblutet und dieses systemische Zusammenwirken konstruiert den Eindruck eines Selbst, einer Identität. Bei Menschen mit traumatischer Belastungsstörung ist in diesem Ruhezustand nur ein kleiner Bereich schwach durchblutet. Übersetzt ins Erleben bedeutet dies, dass diese Person große Schwierigkeiten hat, sich der eigenen Existenz zu versichern.
Die beiden Gehirnscans sind mit einem Stickmuster überzogen und auf Spitze gedruckt. Jedes Symbol steht dabei für eine Farbe. Die Hieroglyphen und das feine Gewebe, welche die Scans durch- und überziehen, sind ein Hinweis, dass wir alle aus den gleichen Grundfarben gemacht und vom gleichen feinen Grundstoff durchwirkt sind. Durch die Neuroplastizität des Gehirns und unsere biografischen Erfahrungen entstehen Formationen und Strukturen, durch die wir die Welt betrachten. Wer sind wir? Die neuronale Formation des Augenblicks oder ein feines, schwebendes Geflecht von Grundfarben, das die Dinge durchzieht?
In einer Performance sitzen Menschen im Kreis und besticken die jeweiligen Drucke entsprechend der abgebildeten Farben. Während der gemeinsamen Stickarbeit, den rhythmischen, monotonen Bewegungen, fallen die anwesenden Gehirne immer wieder in verschiedene Zustände, schwingen sich in der Entspannung ein und besticken ein mögliches Abbild.